Fleisch ist nicht mehr mein Gemüse! Jetzt nicht mehr! Und musikalisch gesehen sind 5/7tel schon etwas Vollkommenes! 7/7tel strebe ich mangels Durchführbarkeit nicht an. #Paradigmenwechsel
Nein, ich werde jetzt hier nicht die ganzen Argumente überzeugungstätermäßig ausbreiten, die für den Vegetarismus gerne angeführt werden. Stattdessen erzähle ich lediglich nur von meinen Gefühlen. Und von einem Vorhaben, zu dem ich mich bekennen will, um es ernsthaft anzugehen.
Ich finde schon ziemlich lange, ich esse zu viel Fleisch. Das hat sich eingeschliffen und ich erinnere andere Zeiten. Richtig: Früher war alles ganz anders. Gähn.
Alles, was ich zu sagen hatte, hatte ich auch bereits schon aufgeschrieben. Darauf will ich nochmals hinweisen.
Es ist ein alter Trick einer schmerzlichen Wahrheit blumige Begriffe zu verpassen. Wir kennen das aus unserem täglichen Leben und meistens wissen wir auch, wie man zwischen den Zeilen liest, gerade wenn es uns selbst betrifft. Wenn der Doktor einem erklärt, es „wird nur ein klein wenig wehtun“, dann weiß man genug um sich auf eine schmerzhafte Prozedur einzustellen. Wenn der Chef einem erklärt, dass er ein aufregendes neues Projekt hat, an dem man arbeiten kann, dann weiß man, dass man kurz davor steht die Arbeit zu machen, die kein anderer haben wollte. (Das wahre Gesicht der Austerität von www.propagandafront.de)
Das Wort “Austerität” ist eine ungefährlich klingende Worthülse für etwas, von dem seine Verwender gern sagen würden, es sei etwas gut gemeintes. Eine Art Rat. In Wirklichkeit aber ist das Wort “Austerität” eine äußerst dringende Mahnung, die vor allem in der Finanzwelt Bedeutung hat. “Austerität” ist das Gegenteil von Austern schlürfen, nein, gemeint ist sparsam zu sein bzw. zu werden, enthaltsam zu sein, sich zu beschränken bzw. zu begrenzen. Unnötiges weg zu lassen, Ausgaben zurück zu fahren und künftig stabil, solide und ertragswirtschaftlich positiv zu wirtschaften.
Austerität wird angewandt im letzten Stadium als “scenario infernale”, also wenn es eigentlich schon zu spät ist. So wie die Rumänen als noch nicht vollwertiges EU-Mitglied mit sich selbst kämpfen, um irgendwann einmal Vollmitglied zu werden. Der IWF, die europäische Zentralbank und die Europäische Gemeinschaft sollen es den Rumänen zufolge nicht sein, die Rumänien die Bedingungen vollkommener Austerität vorschreiben. Die Rumänen bezeichnen ihre beabsichtigte Wandlung zum Vorzeige-Finanzgebilde gern als eigene Schöpfung und nicht als “Diktat von oben”. Doch in Wirklichkeit bleibt Rumänien kaum eine Möglichkeit, als zu sparen, begrenzen, zu kürzen und beschneiden.
Ähnliches gilt für Griechenland. Selbst die Amerikaner müssen “Austerität” zum festen Bestandteil ihres Kalküls machen. Also ist “Austerität” ein globaler Begriff geworden. Merriam-Webster´s Dictionary krönte das Wort zum Wort des Jahres 2010. Die Benutzer des Wörterbuchs selbst haben dafür gesorgt: Bei den verwendeten Suchbegriffen sei es zu Ausschlägen gekommen, die eine “starke Abweichung” vom gewöhnlichen Suchverhalten darstellten. Auf diese Weise wurde das Wort preisgekrönt.
Mein spirituell Erleuchteter, im Volksmund: Guru, hat mir heute Nacht etwas eingeflüstert und obwohl ich mir einbilde, nichts Adäquates dazu geträumt zu haben, sondern über gänzlich andere Themen, muss ich es kurz für mich und die hiesigen Leser festhalten: Auf den ersten Blick ist die Tatsache, dass dich ein Rottländer verfolgt via twitter, besorgniserregend. Das muss es aber nicht sein.
Noch gefährlicher klingt heute Morgen die Meldung der CDU-Landesverband Rottweil sei im Länderprogramm “Singen-Bewegen-Sprechen” hervorragend berücksichtigt. So lautet jedenfalls (heute noch) das sich (demnächst verflüchtigende) nicht mehr auffindbare Stichwort “Singen sprechen” auf der Seite selbst. Dass die Seite insgesamt langsam lädt, kann ich noch verstehen. Wer nähert sich schon gern einem Rottweiler. Lieber ganz langsam. Der Kreisverband Rottweil derselben Partei hatte jedenfalls gestern bemerkenswerte Zugriffsprobleme. Ein Hacker hat die Seite kurzerhand geknackt, dann sah sie so aus. Haha!
Wenn die Bewerbung für das Länderprogramm “Singen-Bewegen-Sprechen” den CDU-Landesverband Rottweil berücksichtigt, so kann ich nur mutmaßen, dass das Kläffen einiger Rottweiler mit christlich-demokratischer Gesinnung vom Auswahlgremium versehentlich ausgewählt worden ist. Wer hört heute noch auf den Kreisverband Rottweil. Nein, Rottländer heißt der Mann, der mich jetzt verfolgt. Meine ganze innerliche Unruhe, wer mich da verfolgen könnte, hat sich schon gelegt. Inzwischen glaube ich komplett an dessen Harmlosigkeit. Er twittert am 24.10. die denkwürdigen Worte, die ich mir eingeprägt habe:
Künstler wissen nicht zu unterscheiden zwischen Thunderstruck u. Günter Strack – zwischen Blitz u. Donner u. Bodenturnen u. Mattenmatsche – TwitterUser Sascha Rottländer aka Apfelpause, Duisburg, nicht Rottweil
Ja, 19 sind fast 20 Tage, dies für manische Zählerfixer, also Süchtige nach Zahlen des Erfolgs. Ich habe mir vorgenommen, nicht mehr jeden Morgen zu schreiben. Eine Psychofalle? Bin ich am Ende inzwischen verweichlicht, romantisiert und für die harte Realität, die ich mir tagtäglich vor Augen zu führen hätte, blind geworden? Ich will es nicht hoffen. Allerdings ist es auch unwichtiger geworden, ständig nur “an das Eine” zu denken: Gebetsmühlenartig auszurufen “Ich rauche nicht mehr!”
Nein, die Tage gehen dahin, schneller, als es mir gelänge, sie in Tagebuchform nieder zu schreiben. Seit Dienstag habe ich nicht mehr geschrieben, heute ist Freitag, viel liegt vor mir. Ich habe mir immer noch keine einzige Ausnahme von meinem Vorhaben erlaubt, und auch nur “eine Kippe geschnorrt”, jemandem gesagt: “Du, ich will doch nur eine…”. Mir käme mein intensives Bemühen lächerlich vor und ich selbst mir auch, wenn ich das täte. Ich habe auch kein Verlangen nach Rauch. Kommt jemand in meine Nähe, der zuvor eine Zigarette ausgedrückt hat, so rieche ich den kalten, beißenden Geruch an ihm und es schaudert mich.
In den Tagen meiner Männerrunden, wenn wir uns ritualartig treffen zu gemeinsamen Musik machen, sitzen wir als Band auch auf dem Flur, trinken ein Bier und die Jungs rauchen eine. Oder zwei, oder drei, oder…. Je länger die “intensiven, wichtigen” Männergespräche andauern, desto mehr. Jeder Aspekt kann ja irgendwie noch wichtig sein und zu besprechen, wenn allein das bereits Anlass wäre, …die Pause zu verlängern. Abends fahre ich dann nach Haus und “stinke”. In meinen Sachen ist der Dunst aus Wrasen von Nikotin, die über mich hereingeschwappt sind. Igitt.
Ansonsten im (Süd-)Westen (von Berlin) nichts Neues. Alles ruhig, vor allem ich! Ach, eins noch: Das große “Buch des Sheng Fui” ist herausgekommen im Carlsen-Verlag. Ich verlinke es, weil mir die dazu gehörige, nämlich ursprüngliche Idee, das Blog gleichen Namens, schon seit längerem sehr gefällt. Würde ich doch empfehlen, eventuell zu kaufen. Bekomme, verspreche ich, keine Provision aus “dem Reich der dortigen Mitte”.
Weiterhin schlafe ich momentan ausreichend viel, nein genug. Unverändert träume ich nachts viel. Heute Nacht träumte ich davon, ich rauche! Gestern Abend besuchte ich einen Bekannten, mit dem ich etwas zu besprechen hatte. Er war nicht allein, ein Freund von ihm war ebenfalls da. Beide rauchten in dem überhitzten Wohnzimmer. Das Thermometer zeigte 24° Celsius an. Ich sagte, das wäre zu heiß. Er bestätigte es. So mag er es. Ich nicht.
Der Qualm störte mich wie aus einer distanzierten Sicht, wie durch einen Nebel. Ich gewann dem Qualm, der im Zimmer stand, keinen Liebreiz ab, nichts, was sexy ist oder unheimlich attraktiv. Ich hatte keine Beziehung zu diesem Geruch und sehnte nicht herbei, mich mit meinen beiden Rauchern zu solidarisieren. Ich musste nicht schwach werden, um mich stark zu fühlen. Als ich abends nach Hause fuhr, bemerkte ich, wie widerlich meine Sachen stinken.
Ansonsten gehen jetzt die Tage dahin mit dem Nachdenken darüber, wie lange die Medikation andauern soll? Darüber bin ich noch unklar. Erste Beratungen sind eingetroffen, die dahin gehen, das Medikament dann ggf. jetzt noch nicht -nach insgesamt vier Wochen, von denen drei rauchfrei sind- abzusetzen. Ich werde mich damit weiter beschäftigen, viel Neues habe ich ansonsten nicht zu berichten, vor allem keine wesentlichen Gedanken, die es wert sind, hier aufgenommen zu werden!
Kinder, so schlecht ist mein Leben als angehender Nichtraucher nun wirklich nicht. Man muss sich das ungefähr so vorstellen:
Am Anfang des Tages gibt es einen neuen Artikel auf diesem Blog. Das beginnt schon mit lustigen Abzählreimen.
Ich stelle zuerst fest, welche fortlaufende Artikelnummer der Artikel erhält. Heute 43/10: Dann gebe ich fest und unverbrüderlich ein “Wille & Weg”. Bereits das ist eine betonharte Maßnahme, denn hiermit zementiere ich meine Auffassung für den nun folgenden Tagesverlauf fest als Bodenanker.
Das Ganze verstärke ich noch mit der Fortsetzung nach 43/10: Es folgt noch einmal -gebetsmühlenartig- das intensiv mitfühlenden Eintippen der Worte “Wille & Weg”, gefolgt von einem Doppelpunkt: an dieser Stelle ist vieles, was folgt, einfache Mathematik. Bin ich noch nicht voller Konfusionen, geling es mir, die mehreren Zahlen, die nun folgen, im Kopf zu behalten. Wähne ich mich schwächer oder nicht so gut, was die eigene Tagesform betrifft, schreibe ich in eine Art Nebenbuchhaltung die zu merkenden Zahlen hin, heute sind es verwirrend viele:
Fruchttorte Sahnetorte
7. nikotinfreier Tag
Tag 15 meines Selbstversuchs,
und kurz vorher noch die Tage 15 bis 20 grafisch anlegen, abspeichern und als Tageszähler hochladen. Man merkt schon, den Tag beginnen zu lassen, kann bereits mit viel hochkonzentrierter Arbeit zusammenhängen. Ich fasse mich kurz: es ist mir fehlerfrei gelungen.
Nachdem ich heute den 15. Tag meiner Medikation mit dem “Rauchaufhörmittel Champix” beginne, ist die Monatspackung für etwas über 100,- € quasi praktisch hälftig aufgebraucht. Mit einer Ausnahme: Eines Tages vergaß ich, die Abendtablette zu nehmen, nur einmal. Sie hängt seit dem orientierungslos in der leergefressenen Monatshälfte herum, blau wie eine Viagraration, die nie geschluckt zu werden brauchte. Wenn mir auch die Erfahrung mit Viagra in Wirklichkeit fehlt.
Inzwischen -Halbzeit- sinniere ich seit heute Morgen darüber, wie lange ich eigentlich Champix nehmen soll? Eine erste Monatspackung ist in rechnerisch zwei Wochen alle. Soll ich diese teuren Tabletten etwa drei Monate nehmen? Oder reichte es aus, sie nach vier Wochen abzusetzen, weil man dann ja rechnerisch drei Wochen “clean” ist, Zeit genug also, das im Körper abgelagerte Nikotin weg zu spielen und auszudiffundieren? Nein, eine Fotosynthese habe ich nicht bemerkt und meine getragenen Anziehsachen haben auch keine braunen Nikotinschweißkrusten, ob das lediglich daran liegt, dass der Sommer längst verjagt wurde und Herbst ansteht?
Zunächst einmal: mein Selbstversuch, das ist ein Weg in die Autarkie. Weg von Fremdbestimmtheit, Fremdeinfluss, gutem wie schlechtem, und Drittmeinung. Ich bin heute Morgen am 12. Tag der täglichen Einnahme von Champix (by Pfizer) angekommen. Darüber hinaus habe ich seit Montag früh keine einzige Zigarette geraucht. Ich habe vorher -grob gesagt- seit meinem zwölften Lebensjahr täglich geraucht und mehrere Selbstversuche des Ausstiegs hinter mir. Alle bisherigen waren erfolglos.
Bei meinen Vorhaben und Bekennerschreiben, z.B. in Artikeln wie diesem hier, begleitet mich die Weltöffentlichkeit, in welcher Stückzahl ist unwichtig. Es sind einige dabei, die lesen es jetzt regelmäßig und sie erfahren eine Vielzahl von Dingen. Ich finde darin kein Problem: Denn erstens kann Wahrhaftigkeit niemanden verletzen und zweitens möge sich jeder seinen Reim drauf machen, ob es ihm was nützt, hier mitzulesen? Und doch würde ich wiederholt sagen, ich verbitte mir Einmischung in meine inneren Angelegenheiten, dies Thema betreffend.
Im Gegensatz zu anderen, kursierenden Bekennerschreiben sind meine von Bestrafung und Verfolgung vollkommen frei. Sie dienen legitimen Zwecken, die unter einer Vielzahl von Menschen weit größere Akzeptanz erhalten, als jene der illegalen Untergrund-Camarilla in den afghanisch-pakistanischen Hochgebirgen! Freiheit für mich! Freiheit für alle Raucher: Rauchfreiheit!
Mein “bekenntnisblog” entstand aus einer Idee, über die ich hier schon berichtet habe. Warum muss jetzt jeder, der auf diese Seite klickt, das lesen? Die Antwort ist ganz einfach: Niemand ist dazu gezwungen, erstens. Zweitens: Jedermann darf jederzeit abbrechen zu lesen, die Seite verlassen. Allein der eigene Mausklick entscheidet. Ob ich Gleichgesinnte suche? Antwort: Nein! Jedenfalls nicht in einem gruppentherapeutischen Anliegen, auch das hatte ich schon geschrieben. Vielleicht finden Menschen zu diesen Texten Zugang, denen sie etwas geben? Antwort: Ja, das wäre doch ein Ziel, oder? Vielleicht geben offene, zunächst unklar im Ergebnis geschriebene, offenporige Tages- und Gedankenbeschreibungen wie diese jemandem Anlass, über sein eigenes Leben nachzudenken?
Suche ich Anerkennung? Stärkung in meinem Kampf? Beides: ja, beides bitte unbedingt! Denn Zweifel und Kritik lehne ich ab? Nein, das stimmt nicht. Ich lehne nur “gute Ratschläge” ab, die keine guten sind, weil sie mich nicht betreffen und für mich ungeeignet sind. Dass ich diesmal “auf Champix” setze, ist Kritik begegnet. Jemand schrieb mir -mit einem medizinischen Hintergrund- einen Ratschlag, ich solle Champix nicht nehmen, ich solle es ohne versuchen. Dieser Ratschlag hilft mir gar nicht. Er ist, als wenn mir jemand in die sorgsam vorbereitete Suppe spuckt. Ich will es diesmal nicht ohne Champix versuchen. Der “gute Ratschlag” kam am ersten oder zweiten Tag meines Medikamentenbeginns, in der Phase, in der ich besonders empfindlich bin gegen alles, was versucht, mich aus der Bahn zu werfen. Denn ich gehe meinen Weg fest.
Jemand sagt mir, er rauche tatsächlich zum Genuss. Er könne tagelang nicht rauchen. Es fiele ihm nicht schwer, nicht zu rauchen, wenn es nicht gewünscht ist. Das ist schön und es freut mich für diesen Menschen. Er -dieser Mensch- darf mir -mein Rauchen betreffend- bitte auf gar keinen Fall einen Ratschlag geben! Er verfügt nicht über meine Erfahrungen, hat nicht seit dem zwölften Lebensjahr geraucht und auch weitestgehend über das persönliche Genusserlebnis hinaus – aus Gründen der Nikotinsucht, Fremdbestimmtheit und der beständigen Erinnerung durch rechtzeitig ausgesendete Botenstoffe an Rezeptoren in den Nervensynapsen, dass nun zur Suchtbefriedigung schnell wieder mal eine zu rauchen ist. Dieses schaltet Champix, der Packungsbeilage zufolge, zuverlässig aus. Was kann zu diesem -krankhaften- Verlangen nach ständiger Suchtbefriedigung ein Genussraucher sagen, der nie in diesem Teufelskreis gelebt hat?
Nein, eine klare Botschaft gegen Champix aus medizinisch-rationalen Gründen, das wäre ein guter Ratschlag gewesen und man hätte ihn sehr sorgfältig begründen müssen. So daher gesagt kann niemand gegen ein solches Medikament votieren. Man kann nicht verallgemeinernd sagen, dass die Substitution einer Nikotinsucht durch Medikamente ein generell falscher Weg ist. Eine Empfehlung, ein derartiges Medikament nicht zu nehmen, weil es aus psychologischen Gründen unergiebig ist, Pillen zu nehmen, die “weitere Suchtpotenziale” aufzeigten? Zeigen sie die? Vielleicht nicht Suchtpotenziale, sondern eher “Ersatzbefriedigungscharakter”? Also, was dem Heroinabhängigen das Methadon ist? Es gibt bereits Erfahrungsquoten: in den Kommentaren auf diesem Blog hat ein Leser dieser Texte was zu Erfolgsquoten geschrieben.
Was die “am Montag” besorgten Süßigkeiten angeht, hat sich das in den letzten Tagen so nicht fortgesetzt und man kann heute nicht verallgemeinernd sagen, ich lebte bereits seit meinem Raucherende von Süßigkeiten. Das habe ich weder geschrieben, noch ansatzweise behauptet. Ich habe nur meine Erfahrungen am ersten Tag nieder geschrieben. Wer meine Texte ausreichend reflektiert, kann nicht dem Irrtum erliegen, eine tagebuchartige Äußerung meinerseits sei von generalisierender Gültigkeit für mein Restleben. Wäre es so, könnte ich mir, wie in dem Roman “Farm der Tiere” von George Orwell Losungen gebetsmühlenartig an die Scheunenwand schreiben: “Alle sind gleich, einige sind gleicher.” Ich würde hinzufügen: “Ich bin nicht gleich, ich bin ich und bleibe es hoffentlich auch!” Die Chefschweine in dem Roman heißen Snowball und Napoleon und letzterer übernimmt die Macht im Stall. Er hat die Losungen geprägt. Ich werde nicht Bundeskanzler der freien Republik Nichtraucherland.
Allerdings habe ich derzeit die Angewohnheit, gern und viel auf Kaugummis verschiedener Geschmacksrichtungen herum zu kauen. Wofür? Warum denn nicht? Man muss einem mit seinen Gewohnheiten brechenden Raucher ein bisschen wohlwollender entgegen treten und hinnehmen, dass er Marotten an den Tag legen will, um mit alten, schlimmeren Gewohnheiten erfolgreich zu brechen.
Ein schwieriges, weites Feld all das. Ratgebern rufe ich unverschlüsselt zu: “Lasst Ratschläge weg, wenn ihr zu ihnen kaum in der Lage seid, der Weg aus jeder Sucht ist -von therapeutisch begleiteter oder klinischer Entgiftung abgesehen- der eigene Privatweg eines jeden Menschen, sofern er nur stark genug dafür ist. Mit welchen Mitteln er es tut, ist zweitrangig. Ratschläge? Leise, leise, und erst eine ganze Weile zuhören, verstehen. Ratschläge aus eigener Erfahrung sind besser als solche ohne.
Ablehnung meines Weges will ich nicht, denn sie spielt für mich und meinen Weg keine Rolle. Aufgedrängte Ablehnung meiner Zustandsbeschreibungen (hier) macht mich auch ein bisschen aggressiv, das stimmt. Das liegt daran, dass ich erstens noch nicht selbstsicher genug bin, um Ablehnung an mir abperlen zu lassen. Ich fürchte den Einfluss von Ablehnung auf den Verlauf des Weges, den ich gerade gehe. Ich werde das “Reinreden” von dritter Seite nicht zulassen, muss es in seine Schranken weisen. Sollte ich üble Nebenwirkungen spüren, bin ich eins fix drei beim Arzt. So lange es mir richtig gut geht und jetzt schon viel besser, als noch “bis Sonntag” vergangener Woche: Was will ich mehr? Alle weitergehenden Bedenken sind “intellektgesteuert”, kommen vom Nachdenken, Grübeln, Zweifeln. Ich aber lebe JETZT! Morgen werde ich mir überlegen, was zu tun ist, wenn ich CHAMPIX wieder absetze. Nein, es wird nicht morgen sein, es wird viel später sein.
Kritik ist so etwas wie eine Muse, wie Gala Dalí oder Amanda Lear für Salvador Dalí oder Nico für Andy Warhol: sie befruchtet den eigenen Disput und verändert ihn um neue Nuancen. Hoffentlich!
Bis dahin werde ich verlässlich nicht mehr rauchen! Das verspreche ich mir. Ohne jede Toleranz mit mir selbst.
Die Zeichen stehen jetzt auf Herbst. Herbst ist eine wilde Jahreszeit. Die Blätter verfärben sich vom langweiligen Grün zu überraschend vielfarbigem Bunt. Dann fallen sie schrumpelnd kopfüber von den Bäumen, aber ihr Schreien beim Herabfallen liegt auf einer für uns unbekannten Frequenz. Später überdeckt der Schnee alles. Bis er wieder taut, wird unter der Schneedecke vieles verarbeitet, auch die alten Zeiten! Wird das neue Jahr eine vollkommene Zeitenwende für mich?
Es tauchen jetzt immer weitere Sinnfragen bei mir auf. Wie viele (erfolgreich zu sein beweisende) Tageszähler macht es Sinn, im Voraus zu produzieren? Ist nicht allein schon das ein trüglicher Beweis für zu viel Optimismus? Soll ich heute die Tage 11 bis 20 anlegen, oder besser nur die Tage 11 und 12? Diese Banner erscheinen hier immer im Vorhinein (morgens), während ich mir also im Vorhinein vornehme, auch heute noch konsequent rauchfrei zu bleiben. Das muss man sich klar und deutlich machen! Es ist der pure Optimismus, am Morgen bereits zu behaupten, der 11. Tag werde ein nikotinfreier bleiben. Allerdings: bislang traf das immer zu.
Was macht man eigentlich, wenn man Graf von Faber-Castell heißt? Die Zeit der Blei- und Buntstifte schlittert inzwischen unaufhaltbar ihrem Ende entgegen. Ich bin inzwischen fast total digital. Ich schreibe Texte auf die Schnelle, mit zehn Fingern, ohne auf die Tastatur schauen zu müssen und es fällt mir außerordentlich schwer, mit einem guten Schreibgerät ein paar handschriftliche Zeilen lesbar aufs Papier zu krakeln. Meine Handschrift hat nichts Sinnliches, sondern es ist ein Krampf. Vor fünfzehn Jahren hat mich eine damalige Liebste gescholten, es sei sehr unpersönlich, solch einen Brief mit einem Computer geschrieben zu haben. Heute trennen und vereinigen sich die Menschen via Email, SMS und per Chatroom. Mit dem iPad werden die ersten funktionierenden Tabletts auf den Markt geworfen, auf denen man sogar Schularbeiten (Hausaufgaben) machen könnte. Nein, wer Graf von Faber-Castell heißt, ist zwar “hochwohlgeboren” und taugt insofern zum Gesellschaftslöwen. Der kann sich mit Mariella trösten und notfalls sogar mit ihr gemeinsam perlenden Sekt gleichen Nachnamens schlürfen! Einige Sektverlage haben sich inzwischen auf Namensetiketten “Müller”, “Maier”, “Schultze” spezialisiert. Auch “Dobbermann” zu drucken kein Problem. Man muss Alternativen besitzen und sie müssen bezahlbar sein. Zu allem Überfluss kann Frank Zander ein personalisiertes Geburtstagslied einsingen!
Der 3. Tag (Mo, Die, Mi) meines Rauchfrei-Selbstversuchs ist der 10. Tag (seit Mo letzter Woche) meiner Einnahme von Champix, einem Medikament der Pfizer-Gruppe. Trotzdem mich Nachfragen der Außenwelt permanent daran erinnern, habe ich beim besten Willen bis heute noch keine Nebenwirkungen des Medikaments gespürt. Ich hätte auch nicht gern welche, habe größten Respekt vor der ausführlichen und detailreich beschriebenen Packungsbeilage, die den Eindruck einer bemühten, vollständigen Aufzählung denkbarer Nebenwirkungen auf mich macht. Sogar von drohenden Selbstmordgedanken in wenigen, selten Fällen ist dort die Rede und sollte ich welche hegen, möge ich das Präparat umgehend stoppen, einen Arzt aufsuchen und so weiter.
Mein Schlaf ist im Moment tief, erholsam und voll von Träumen. Soweit eine weitere Nebenwirkung, die beschrieben ist. Probanden berichteten von vielfältigen Träumen. Wer nur träumen kann, der muss sich nicht fürchten, denke ich. Ich habe schon oft vollkommen traumlose Phasen gehabt, aber da ging es mir nicht besser als jetzt. Und mögen die Konstellationen noch so “tricky” sein, irgendwie verquast, durcheinander: möglicherweise haben Träume auch die Funktion eines seelischen Katalysators. Alles Bewusste und alles Unbewusste wird irgendwie “durchgespült”? Nein, ich mache mir keine Sorgen, etwa zu viel zu träumen.
Im Übrigen stelle ich an mir selbst eine zu kleine Gelassenheit oder eine schnelle Reizbarkeit fest, was Ratschläge von außen angeht. Zuallererst verweise ich in einer gedanklichen Vorwurfshaltung diejenigen, die mir Rat erteilen möchten, auf das Vorhandensein von selbst erstellten Bekenntnistexten, wie diesem hier. Niemand darf in meiner Vorstellungswelt mir einen Ratschlag geben, der nicht hinreichend vorinformiert ist. Du liest mich, also bin ich!
Auf den Gedanken, dass niemand verpflichtet ist, das hier zu lesen, komme ich erst bei längerem, intellektuellen Nachdenken. Gerade jetzt habe ich aber diesen Gedanken und er erscheint mir richtig. Ich muss noch einmal für die Außenwelt klarstellen, dass ich mit diesem Blog nicht um die Wissens-Vormachtstellung weltweit ringe, das insofern marktbeherrschende HowTo (stop Smoking) verfasst zu haben, beispielsweise um den Nichtraucherpapst Allen Carr vom Thron zu stoßen. Ich schreibe meine tagtäglichen Erkenntnisse tatsächlich eher mit großer Bescheidenheit, möglichst ungeschmückt und wenig verklausuliert, frei von der Leber weg, auf, um sie festzuhalten, wie ein eventuelles Nichtraucher-Tagebuch. Meine Absicht ist lediglich, erfolgreich zu sein. Ich will niemanden bekehren, bzw. überzeugen oder morgen eine Selbständigkeit als Seminartrainer für No-Smoking-Seminare der Techniker-Krankenkasse begründen. Weder bin ich dazu schlau genug, noch liegt dies in meinen Wunschzielen.
Mein Wunsch ist ganz einfach: Ich möchte nicht mehr abhängig sein und selbstbestimmt entscheiden, was ich zu mir nehme, außer Luft, um glücklich, gesund und zufrieden zu sein. Wenn mir das gelingt, habe ich erfolgreich einen Schalter in meinem Kopf umgelegt und es hat sich etwas Großartiges aus dieser konzentrierten Befassung entwickelt. Für mich selbst ist dann auch der Beweis gelungen, dass da wo ein Wille ist, tatsächlich auch ein Weg sein kann. Es ist aber in jedem Fall ein individueller!
Mir hat kürzlich eine professionelle Suchtberaterin gesagt, dass jegliche Therapie immer von Gruppenarbeit, Gruppenzusammensein, Problembewältigung gemeinsam ausgeht. Ich habe das für mich verneint. Sie meinte, das wäre eine “arrogante” Haltung. Ich quittierte es innerlich mit Gleichgültigkeit und äußerlich mit einem wahrnehmbaren Schulterzucken. Ist das die Technik von Psychologen, dass sie einen “fertig machen” wollen, damit man sich öffnet, um fremde Hilfe anzunehmen? Als hätte ich einen derartigen Trick von vornherein durchschaut, perlte dies an mir ab und ich beschloss, hierauf wortwörtlich nichts zu entgegnen. Denn auf sowas würde ich mich nicht einlassen, nur um in eine “häufig aufgestellte Psychofalle” zu laufen.
Mag sein, dass eine Vielzahl von Hilfebedürftigen Probleme nur wirklich in Gruppenprozessen bewältigen können. Für die gibt es heutzutage Websites, vor allem auch Foren für den Erfahrungsaustausch (für Zwillingseltern, Kindergartenkinder-Eltern, Bettnässer, Alkoholiker, Kettenraucher, SM-Interessierte) und Gruppentherapien (für kompletten Alkoholverzicht, für das Erlernen von “begrenztem”, kontrolliertem Trinken, für Nichtrauchertraining und so weiter). Alle diese Gruppen sagen mir nichts und kommen mir vor, wie eine Ablenkung von meinem eigentlichen Kerninteresse: ganz bei mir selbst zu sein und auf Gewohnheiten konzentriert zu verzichten, wie z.B. das Rauchen.
Ein jeder, wie er glücklich wird: alle Raucher “über einen Kamm” zu scheren, das kommt mir abstrus vor. Und “viele Wege führen nach Rom”. Womit wir jetzt eindeutig im Charakterfach der Plattitüden angekommen sind. Und deswegen reicht es für heute!
Sollte ich jedoch mental zusammenbrechen und rückfällig werden, werde ich die oben genannten Karten komplett neu durchmischen, eventuell anders darüber denken und andere Wege gehen, selbst wenn ich diese vorher kategorisch ausgeschlossen hatte. Nichts, was man meint, gilt automatisch für die Ewigkeit, das ist die Thomas’sche Relativitätstheorie!
“Denn wenn man was liebt, was man eigentlich kaum bekommen kann, was unerreichbar fern erscheint, wird man ein Stück traurig. Wird man ein Träumer. Oder man wird ein Radikaler. Oder ein radikaler Verwirklicher seiner Träume.” (Susanne Zühlke)
Und weil das so ist mit dem “heftigen Träumen” mit Champix, oder liegt es daran gar nicht?, hier noch ein bisschen Multimedialärm oben drauf. Mama Cass verstarb zu früh, woran, ist mir unbekannt, aber die Mamas & Papas und ihr “Dream A Little Dream” (nicht ihr Song, sondern von ihnen gecovert) bleibt unvergessen. Wo Susanne Zühlke die oben zitierten Worte gesagt hat, ist mir unbekannt geblieben. Allein ich hab sie mir gemerkt. Und heute nochmal danach gegooglet. Um sie hier passenderweise hinzuschreiben. Ich kenne dieses Zitat meiner Erinnerung nach seit ca. 1990. In diesem Sinne “gute Nacht” und viele Träume.
Ach, ein selbstbestimmtes Leben mit gelegentlichen Lastern, aber ansonsten frei von Fremdbestimmtheit: “Alkohol und Nikotin rafft die halbe Menschheit hin, ohne Nikotin und Rauch stirbt die andere Hälfte auch.” (bürgerliches Credo auf einem Kloschild aus den Siebzigern) – Fazit: Vermutlich ganz überwiegend allerdings erst später!
Wenn das so weiter geht, gehen mir bald wieder meine schönen, optimistisch vierstelligen, inzwischen gelb eingefärbten Tageszähler aus. Ich muss wieder neue anfertigen, fürchte hoffe ich. Gestern war mein erster Tag komplett ohne Glimmstängel. Bemerkenswert: Ich hatte eigentlich keine körperlichen Entzugserscheinungen. Bis auf so eine Art Entschleunigungsbedürfnis. Zwei- bis dreimal gestern geriet mein Körper plötzlich in Wallung, in schnellere Bewegungen, hektikartig und irgendwie fehlte mir etwas, nachdem ich zunächst unbewusst suchte, es aber nicht fand. Ich war vollkommen beunruhigt. Ich bin in die Wohnung gerannt, habe das Süßigkeitenregal meiner Kinder durchforstet und dort auch VIVIL-Pfefferminzbonbons gefunden. Aus denen mache ich mir eigentlich nichts. Gestern waren sie eine echte Hilfe.
Auf dem Weg zu einem verabredeten Außentermin in Berlin-Lichterfelde überkam mich das zweite Mal die Idee, ich könnte nicht ohne irgendetwas sein, dass man ggf. kauen könnte. Z.B. Kaugummis. Irgendetwas tun gegen den Entzug. Ich bin vor einem Supermarkt angehalten, habe mir dort Wrighleys (weiße) Kaugummis gekauft, eine Tüte Gummibärchen, Zitronenhustenbonbons (ohne Zucker) und eine Tüte Chilicracker. Alles Dinge, die ich nie esse. Die Chilicracker sind zuerst dran. Seit ca. zwei Wochen wiege ich mich jeden Tag und halte die Wiegeergebnisse in meinem Schedule elektronisch fest. Auf diese Weise kann ich unmittelbar und von Tag zu Tag feststellen, wie sich mein Körpergewicht verändert. Bei Bedarf werde ich versuchen, sofort auf Veränderungen nach oben zu reagieren! Fast alle Raucher nehmen beim Rauchstopp erst einmal heftig zu! Ich bin auch -ohne dass mir bereits die Erfahrung wochenlangen Nichtrauchens vertraut ist- schon am oberen Level meines zulässigen Körpergewichts. Noch viel mehr geht gar nicht!
In meinem Termin mit einer -sagen wir- etwas korpulenteren Dame sagt diese, als ich ihr davon anbiete: “Danke, das macht dick!” OOopsss, da hat sie Recht. Mir ist es heute egal. Hoffentlich nur heute. Das muss ich im Auge behalten. Viel später habe ich zuhause auch die Gummibärchen weggedrückt, die Zitronenbonbons angefangen und ein paar Kaugummis gekaut. Ich hatte auf diese Weise immer was zu tun. Ansonsten bin ich absichtlich irgendwie sehr früh schlafen gegangen. Wilde Träume, die ich hier nicht ausbreite.
Überhaupt: Träumen ist lt. Packungsbeilage von Champix (by Pfizer) eine Nebenwirkung, das ausgesprochen vielfältige Träumen. Richtig. In den letzten Tagen habe ich sehr viel geschlafen, war schon früh müde und bin jeweils recht früh ins Bett gegangen. Immer wenn ich aufwachte aus meinem Schlaf, hatte ich das Gefühl, ich hätte eine ganze Menge Dinge im Schlaf bewältigt. Es kamen mir auch ältere Ereignisse wieder in den Sinn, über die ich traumwandlerisch in neuer Weise nachträumte. Meine Vergangenheit setzte sich teils im Wirrwarr extensiver Träumereien auf eine neue, bislang vollkommen unmöglich erschienene Weise neu zusammen. Unmöglich, dass sich dahinter ein wahrer Kern verbirgt. Das fällt in die Kategorie “Im Schlaf gibt es keine Denkverbote”. Davon hier nicht mehr.
Der zweite, rauchfreie Tag liegt jetzt vor mir und ich werde mich an meine Routine machen! Lass mir von meiner Jüngsten ihre Daumen drücken, nicht meine. Vielleicht hilft das. Der Husten, den ich in den letzten Wochen hatte, ist von einem auf den anderen Tag erheblich zurückgegangen. Ach so!
Ich habe es überstanden. Der 1. Tag war rauchfrei. Ohne Nebenwirkungen.
Allerdings:
Ich habe Bonbons gelutscht, Kaugummis gekaut. Dergleichen tue ich sonst nie.
Kaffee weckt immer das Gefühl, es fehlt noch was. Bis man wieder nachdenkt: Es fehlt nichts, du hast ja Kaffee!
Jeder gut durchdachte Rat ist mir lieb. Jeder undurchdachte Rat kommt mir gerade nicht recht. Es ist eine Frage, wie weit jemand sich etwas denkt, wenn er etwas rät. Etwas schnell daher Gesagtes hat wenig Einfluss. Frauke posted auf ihrer Pinnwand auf facebook und sie hat Recht:
Ich frag mich, warum die leute meistens kitsch-kram kommentieren -und keine wirklich wichtigen sachen – das nervt!
Für Gratulationen zu einem neuen Leben ist es heute viel zu früh. Ich habe noch nichts geleistet! Gratulieren darf man mir in einem halben Jahr, wenn ich es ohne Medikamente schaffe, rauchfrei zu bleiben und ich ein vollkommen normales Leben führe, auch unter Rauchern. Bis dahin: Holzauge sei wachsam!
Jemand sagt mir, der dritte Tag, das wäre der Schwierigste! Mal sehen, ob das stimmt? Abwarten!
Heute hier, morgen dort, bin kaum da, muss ich fort,
hab’ mich niemals deswegen beklagt.
Hab es selbst so gewählt, nie die Jahre gezählt,
nie nach gestern und morgen gefragt.
Manchmal träume ich schwer und dann denk ich,
es wär Zeit zu bleiben und nun was ganz andres zu tun.
So vergeht Jahr um Jahr und es ist mir längst klar,
dass nichts bleibt, dass nichts bleibt,
wie es war.
(Hannes Wader, Heute hier, morgen dort)
Mit Musik, mit Lyrics, Texten kann man fast alles erklären, das einen bewegt. Denn alles, was du versuchst, in Worte zu fassen, hat jemand anderes vor dir schon mal erlebt und in Worte gefasst. So wie Hannes Wader es besungen hat. Als so eine Art Betroffenheitsbarde wird er belächelt von den Jüngeren, gleichwohl haben seine Wort Kraft. Sie sind ehrlich und treffend gewählt. Champix nehme ich ab heute mit täglich 2 mg, der höchsten Dosis lt. Anleitung, zu mir! Bislang keine Nebenwirkungen!
Lallende Straße (anstatt: Hallesche Straße), Berlin
Ich habe tatsächlich nie nach gestern und morgen gefragt. Was war und was wäre, erschien mir stets ohne größere Bedeutung für mich selbst. Die erste große Bilanzphase meines Lebens hatte ich schon mit etwas über 30 Jahren hinter mich gebracht. Seit dem beschloss ich, im Hier und Jetzt zu leben. Würde ich jetzt, anlässlich meiner konkreten Wünsche, mit dem Rauchen aufzuhören und kaum noch Alkohol zu trinken, wieder etwas daran korrigieren müssen? Ich müsste mit dem Gestern hadern und damit abrechnen, um im Hier und Jetzt Konsequenzen daraus zu ziehen, damit ich Morgen (also in Zukunft) frei von diesen schädlichen Einflüssen wäre? Mag sein, ich denke nochmal drüber nach.
Heute Morgen alles ruhig. Ich habe den Tag ruhig angehen lassen. Habe entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten nicht schon morgens um 7:10 Uhr den PC besetzt und google-News gelesen, eine Zigarette dabei geraucht und eine Tasse Kaffee getrunken. Ich bin bei den Anderen geblieben, habe zwar Kaffee getrunken, aber bin in Ruhe am Frühstückstisch sitzen geblieben. Dann zur Schule und wieder zurück und …wieder eine Tasse Kaffee getrunken. Kaffee ist eine starke, symbolistische Brücke zum Nikotin, ich bin es gewohnt, die Ereignisse Koffein und Nikotin miteinander zu verbinden. Der Geschmack von Kaffee löst so ein runzlig braunes Gären auf der Zungenoberfläche aus, das im Körper “Hallo, Zigarette”-Signale weckt.
Mir ist schlagartig klar geworden, dass ich an meinem Arbeitsplatz daher irgendeine Art von Ersatzbefriedigung bräuchte. Ich entschließe mich, zwei Äpfel mitzunehmen für genau diese Situationen. Ich esse sonst nie Äpfel. Ich mache mir sonst nichts aus Äpfeln. Heute Morgen kann ich an meinen Finger intensiv riechen und mag den Geruch. Ich weiß, dass der Geruchssinn erst viel später zurückkehrt, aber damit hat das nichts zu tun. Es reicht aus, wenn die Finger nicht nach Nikotin riechen, dass sie bereits einen besseren Geruch haben. Bereits am ersten Morgen!
So, jetzt kann ich nicht mehr nur “herumlabern”, jetzt wird’s ernst. Ab morgen rauche ich nicht mehr.
Ich habe gerade eben “die letzte Zigarette” geraucht, so steht es hier seit Tagen geschrieben. Und so soll es auch sein. Was morgen passiert, werde ich morgen sehen. Heute soeben habe ich die letzte geraucht. Sie schmecken mir seit heute nicht mehr. Na, wenn das nichts ist!
Irgendwer hat gesagt: Es gibt keinen Grund zu rauchen! Recht hat er. So einfach ist das nämlich. Mehr muss niemand wissen. Ich hab vergessen, wer es war! Bestimmt dieser Nichtraucherpriester, wie war doch gleich sein Name: Allen Carr (Buch: Endlich Nichtraucher)!
Richtig: heute viel zu tun gehabt. Und keine Zeit, Selbstreflektionen nieder zu schreiben. Morgen ist auch noch ein Tag. Ich freu mich drauf. Ab Montag geht es richtig los! Bzw. ab Montag ist Schluss mit Rauchen!
Heuer am 5. Tag meines Selbstversuchs habe ich wieder neu die Tage gezählt. Wie ein Buchhalter. Eins, zwei, drei, vier…hatte ich im Vorhinein produziert, um sie tageszählergerecht in jeden weiteren Artikel einzubinden. Heute habe ich von fünf bis zehn aufwärts nummeriert. Da ich jetzt zwei Tabletten Champix pro Tag zu nehmen beabsichtige, wie es in der Packungsbeilage vorgeschrieben ist, nehme ich jetzt täglich 1,0 mg, also zwei mal 0,5 mg.
Ab dem Tag 0008 habe ich die Tage gelblicher eingefärbt. Das soll den Tagen Acht Plus mehr Nachdrücklichkeit verleihen. Ansonsten ist hier alles ruhig. Nach wie vor denke ich hauptsächlich darüber nach, ob dieses Medikament auch bei mir zu den gefürchteten Nebenwirkungen führen wird. Im Moment fühle ich noch keine. Ansonsten habe ich gerade große Lust, mehr zu schlafen. Abends bin ich sehr schnell müde und sehne mich danach, mich auszuschlafen. Man wird den verpassten Schlaf seines Lebens wohl nie mehr nachholen können, fürchte ich. Aber man kann ein Stück ausgeruhter in die Zukunft gehen, wenn man im Hier und Jetzt ausreichend viel schläft.
Die Tage sind voller Aufgaben und Dingen, die ich zu erledigen habe. Ich komme eigentlich nicht genug hinterher. Alles in allem hat sich aber eine größere Klarheit herausgebildet in den letzten Tagen, auf welche Weise ich sie abzuarbeiten beabsichtige. Das liegt wohl an der Bewusstmachung, an meinem meditativen Schreiben und an meiner festen Absicht, einen Routineschalter meines Lebens einfach mal umzulegen und meine Gewohnheiten aktiv abzuändern. Schauen wir mal, wie es weitergeht! Im Moment alles gut.
Der kommende Montag ist der erste Tag ohne Glimmstängel! Das wird ein ganz, ganz interessanter Tag. Ich bin sehr gespannt.
Der siebenköpfige Informator beschreibt eine amorphe Gestalt mit sieben Köpfen. Schlägt man einen der sieben Köpfe der Gestalt ab, dann wachsen an dieser Stelle weitere nach: “Die Informationen sind gegeben und verselbständigen sich” (Website “Die tödliche Doris“)
Der 4. Tag ist ein Treppchen zu einer weiteren Eskalationsstufe. Erstens gehen mir meine Tageszähler aus und ich muss neue machen. Tag 0005 und so weiter…. Zweitens nehme ich ab heute zwei Champix anstatt eine. Morgens und abends eine mit jeweils 0,5 mg. Nicht “die tödliche Doris” und hoffentlich auch nicht “die tödliche Dosis”. Weiterhin habe ich größten Respekt vor dem Zeugs, das ich jetzt einnehme. Ansonsten sind meine Antennen nach draußen teils zusammengebrochen, denn ich habe meine “Beratungsresistenz” verteidigt und teils funktionieren sie jetzt überraschend anderweitig. Horch, was kommt von draußen rein? Ich vermute,dahinter steckt google-Alerts?
Irgendwo lebt Fritz, den ich persönlich nicht kenne. Sei herzlich gegrüßt, Fritz, und danke für deine Ermutigung mit einem Kommentar auf meiner Website bekenntnisblog.de! Allerdings habe ich Fritz Blogseiten gelesen, bevor ich mich entschloss, es mit Champix auszuprobieren. Fritz hat ein Blog, das man hier erreichen kann und er beschreibt seinen eigenen Weg in anderer Weise als ich. Und wenn Fritz mir jetzt einen Kommentar schreibt und mich ermutigt, nachdem ich lediglich nur drei Tage lang in einer ganz anderen Nebenwelt gebloggt habe, nehme ich an, dass gutfunktionierende Suchfilter wie Fischernetze ausgebreitet wurden. Solange es keine “Suchtfilter” sind, obwohl?
Fritz wünscht mir alles Gute bei meinem Selbstversuch, und ich denke, aus eigener Erfahrung. Ein solcher Ratschlag ist mir lieb und viel wert. Im Gegensatz dazu schrieb ich neulich, war es gestern, Ratschläge aus einer distanzierten Sicht ohne eigenen Erfahrungshorizont (mit meinem Weg, mich vom Rauchen weg zu bewegen) seien im Moment echt störend. Denn ich will mich nur auf mich selbst konzentrieren. Ich glaube an mentale Macht und das man mit mentaler Macht fast alles erreichen kann, was wirklich wichtig und erreichbar ist und was man sich vornimmt.
Nicht so unwichtige Dinge, wie Geld, Reichtum, schickes Auto und so. Sondern Selbstbewusstsein, Klarheit, Meditation, Gelassenheit, innere Ruhe und -insbesondere- Suchtfreiheit. Das kann ich unken, aber warum habe ich letzteres dann bislang nicht geschafft? Es war mir offenbar nicht wichtig genug, denke ich. Fritz schickt mir einen Youtube-Link mit seinem Kommentar zu einem 10-minütigen Ausschnitt aus einem Film von Jim Jarmusch, in dem die beiden Protagonisten Tom Waits und Iggy Pop sich selbst spielen. “Coffee & Cigarettes”. Von diesem Film habe ich nie gehört, beide Sänger sind mir indessen eingehend bekannt. Ich poste -meinen eigenen Regeln zuwider- den Filmausschnitt hier nachfolgend.
Coffee & Cigarettes – directed by Jim Jarmusch (via Youtube & auf Vorschlag von Fritz)
Diesen Filmausschnitt werde ich mir noch einmal in Ruhe ansehen. Noch habe ich das nicht getan, denn trotz Hinweis von außen und trotz Iggy Pop und Tom Waits, die allein Grund genug sind, sich den Filmausschnitt anzusehen, habe ich kaum Übertragungsbedarf, Stoffe zu adaptieren, die ich auf meine derzeitige Kernfrage anwenden kann, um eine Komplettabdeckung meiner persönlichen Bedürfnisse zu erlernen. Beide sind tolle Musiker, aber menschlich unbedingt eher keine Vorbilder! Ein starker Tobak, wie ein Pop-Text zu meinen singulären (einzigartigen) Rückzugsstrategien vom Nikotin erscheint mir erfolgversprechender! Mit anderen Worten: Man soll die Strahlkraft einer cinematoskopischen Filmkonserve nicht so hoch hängen, wie die eigenen Erkenntnisse. Oder?
Allerdings habe ich nicht vor, auf diesem “Bekenntnisblog” Materialien zusammen zu stellen, die die Außenwelt im Netz bereits hinterlassen hat, damit ich nun einer der wesentlichen Link- und Materialiensammler werde, der Rauchern hilft, sich das Paffen abzugewöhnen. Ich habe keine Aufgabe und ich bin und werde niemals ein Messias werden, das verspreche ich. Ich weiß weder, ob mir mein Selbstversuch 100%-ig mit Erfolg gelingen wird, noch wie andere Leute sich das Rauchen abgewöhnen wollen. Ich versuche nur und ausschließlich für mich ganz allein, den für mich passenden Weg auszuprobieren. Der Frage nachzugehen, ob meine Einschätzung (siehe oben) stimmt, dass man allein mit mentaler Kraft (und ein bisschen medikamentöser Hilfe vom Pharmagiganten) das Rauchen sein lassen kann.
Das Schreiben von Texten wie diesen war in meinem Leben schon des Öfteren eine richtige Strategie. Ich habe es einst mit ca. 31/32 Jahren getan, um einer falschen Liebe zu einem falschen Liebesobjekt abzuschwören und wieder ganz zu mir selbst “zu geraten”. Die Befassung mit diesem Lebensabschnitt und -thema hat mich seinerzeit eineinhalb/zwei Jahre gekostet, und ich habe diese Zeit gern investiert. Die Kosten, von denen ich spreche, waren im Vergleich zu den Erkenntnissen, die sich anschickten, mein Bewusstsein zu erobern, vergleichsweise gering. Überhaupt: von Kosten zu sprechen, erscheint mir in diesem Zusammenhang abwegig. Es waren keine Kosten, aber ein Gewinn war es. Ein beträchtlicher Gewinn an Lebensqualität, Zufriedenheit und jede Menge neue Selbsterkenntnisse über mich selbst.
Ganz ähnlich wird es jetzt sein, wenn ich so weiter mache. Überhaupt ist die Idee, ein “Bekenntnisblog” zu schaffen und das Bekenntnisblog zu nennen, vor einiger Zeit gewachsen, als ich einen anderen Selbstversuch anfertigte. Ich ließ absichtsvoll den Alkohol für eine Zeit zu 100% weg, der mir immer ausgezeichnet schmeckte. Auch das hatte ich ohne Probleme geschafft, wähnte mich im Nachhinein halbwegs sicher, nicht wieder in regelmäßigen Konsum zurück zu fallen.
Wer nichts (mehr) versucht, lebt nicht (mehr)! Wer (noch) versucht, spürt sich (noch)! Der hat (noch) nicht ganz aufgegeben! Permanente Unzufriedenheit ist etwas Positives: wenn man (noch) etwas erreichen will, ist Unzufriedenheit eine gute Triebkraft!
Diese Zeit vor kurzem verbrachte ich als anonymer Blogger auf der Website von wordpress und ich legte ein Blog an, dass ich “DrogeKlarerKopf” nannte, ausgehend von einer Drogenfrei-Kampagne der Achtziger (meiner Erinnerung nach!), in der Udo Lindenberg behauptete: “Die beste Droge ist ein klarer Kopf”. Ein guter Spruch, uns Udo hat ihn nach meiner Kenntnis jedoch schon bald wieder erfolgreich komplettverdrängt. Je mehr ich anonym über diese Zeit aufschrieb, um es in die Welt hinaus zu posaunen, umso gewisser wurde ich, dass was ich aufschrieb, “Bekenntnisse” seien. Als mir das klar wurde, googlete ich nach “bekenntnisblog” und stellte fest, dass es derartiges nirgendwo auf der Welt gab! Wenngleich doch Millionen Blogger weltweit nichts anderes als das tun: sich zu bekennen! Zu diesem und jenem, zu wichtigen und unwichtigen Angelegenheiten. Der ganze Globus schwätzt in einer bekenntnisreichen Art und Weise, manche Bekenntnisblogger haben sogar bereits Kultstatus und werden wie Popstars verehrt, nur weil sie eine bestimmte Art, sich zu bekennen praktizieren. Ich bekenne, also bin ich! Ich hatte der Sache einen neuen, deutschen Namen gegeben!
Ich hab mir gemerkt und nie vergessen, dass Udo Lindenberg als beste Droge einen klaren Kopf bezeichnete! Nicht nur, weil Udo schon viele gute Songtexte geschrieben hat und was er sagt, bei mir auf positive Resonanz stößt in vielerlei Hinsicht, und in der Gewissheit, dass Udo auch mal Quatsch sagen darf, wie jeder Mensch, weil bei mir die Toleranzschwelle für seine Fehler hoch hängt, ähnlich wie bei Nina Hagen, die ich sehr schätze. Beide bewundere ich auch für ihre Lebensleistung und das ganze Drumherum ihres interessanten und vielschichtigen Lebens. Es käme mir gerade dumm vor, sie auf einzelne ihrer offensichtlichen Fehler festzunageln, um den weitaus größeren Rest ihrer positiven Lebensleistung zu negieren. Udo Lindenberg und Nina Hagen sind wie eigentlich alle Menschen: sie haben ihre Fehler, und genau das macht sie liebenswürdig.
Der 4. Tag meines Selbstversuchs kann anbrechen! Bald ist es 9 Uhr, Zeit, nach dem Titel einer alten Fernsehserie zu verfahren: “Immer wenn er Pillen nahm!” – Allerdings war in dieser Fernsehserie bekannt, dass der Mann weitgehende Nebenwirkungen hatte. Im Unterschied zu den von mir befürchteten von Champix waren die jedoch gewollt! – Ab heute wird es noch ernster und ab Montag werde ich den Zigarettenkonsum definitiv einstellen. Nehme ich mir vor.
Zu welcher Tageszeit lassen sich eigentlich Bekenntnisse besonders trefflich formulieren bzw. vorbringen? Der frühe Morgen, die Zeit, bevor das Telefon am Arbeitsplatz unentwegt klingelt? Keine schlechte Idee. Am frühen Morgen steckt der Kopf, wenn er einigermaßen ausgeschlafen ist, noch voller “frischem Wind”. Gute Laune macht sich breit. “Ab Montag höre ich auf zu rauchen”, habe ich heute gefrohlockt, als ich die Kinder zur Schule brachte. Ich habe es ihnen noch einmal hörbar gesagt. Sie sollen es hören. Sie sollen wissen, dass ich jetzt ernst mache. Damit ich ernst mache, machen kann. Wenn ich es nicht rechtzeitig vielen Menschen, die mit mir zu tun haben, sage, weiß es niemand und ich kann eine Schlangenlinien-Strategie des Versuchens und der Einbrüche machen. Will ich aber nicht. Ich will jetzt, wenigstens einmal im Leben, zu 100% verbindlich sein und genau das schaffen, was ich mir vorgenommen habe.
Noch keine Nebenwirkungen. Heute ist der 3. Tag meines Selbstversuchs. Warum auch sollte ich bereits heute und bei einer sehr geringen Dosierung von 0,5 mg Champix Nebenwirkungen spüren? Das kann noch ganz anders werden. Ich will es nicht hoffen. Die angekündigten Nebenwirkungen lt. Packungsbeilage sind nicht ganz ohne. Allerdings bin ich erfahrungsgemäß kein Mensch, der Nebenwirkungen einer Medikamentation pflichtgemäß -nach Packungsbeilage- herbeibrütet. Eher bin ich selbst kaum von Nebenwirkungen betroffen, wenn es um die Verabreichung von Medikamenten geht. Erfahrungsgemäß. Was nicht heißt, ….
Ich habe vor Jahren unter Begleitung eines mir neuen Hausarztes das Mittel Zyban eingenommen. Da hatte ich heftige Nebenwirkungen. Ich dachte, ich müsste sterben. Mein Kreislauf brach nach einigen Tagen der Medikamentation zusammen und ich rief telefonisch einen Notarzt herbei. Das Medikament habe ich gleich in die ewigen Jagdgründe geschickt. Im Unterschied zu Zyban, so las ich bei Einführung des Medikamentes Champix in verschiedenen Artikeln und das hochaufmerksam, seien die Nebenwirkungen von Champix komplett zu vernachlässigen. Dass das -mit der Zeit- offenbar nicht richtig sein soll, weist inzwischen die Packungsbeilage schriftlich aus. Ist es die deutsche Gesetzgebung, die die Herstellung Pfizer dazu zwingt, auch die drastischen Zweifel sicherheitshalber reinzuschreiben, die von Probanden benannt worden waren? Ja, sogar Selbstmordabsichten hätten einige geäußert. Es ist dann nur fair, dass das auch auf die Beipackzettel geschrieben wird.
Ansonsten kann es so ähnlich ausgelöst sein, wie in Amerika jener Schadenersatzprozess, in dem eine Besucherin der Fleischfladenkette MacDonald´s sich heißen Kaffee über die Finger schüttete. Sie verbrühte sich die Finger! Es geht von diesem Prozess mit in Amerika üblichen drastischen Schadenersatzforderungen die Fama, dass es diesem Verfahren zu verdanken sei, wenn amerikanische Fastfood-Ketten auf Pappbecher einen Aufdruck aufbringen lassen: “Vorsicht, Kaffee kann heiß sein.” Die amerikanische Praxis ist offenbar darin angelegt, selbstverständliche Binsenweisheiten noch einmal ausdrücklich zu benennen und vor ihnen zu warnen. So wie für Fernsehgeräte, die man lt. Hersteller nicht in den Regen stellen soll. Der dazu passende Film heißt “Dumm und dümmer” und wird von Jim Carey vortrefflich dargestellt. Oder der Aufdruck eines Autoaußenspiegels, der uns davor warnt, im Spiegel sei alles seitenverkehrt dargestellt. Diesen Aufdruck gibt es auf amerikanischen Autos.
In diesen Tagen fällt mir mein starker Kaffeekonsum auf, der sich in den letzten Tagen noch verstärkt hat. Ich habe in den letzten Tagen null Alkohol getrunken, habe mich regelmäßig rechtzeitig ins Bett gelegt und daher ausreichend geschlafen. Eine größere, innere Ruhe ist inzwischen eingetreten und allerdings auch ein etwas höherer Kaffeekonsum. Wird die Verkettung von Koffein und Nikotin bereits am kommenden Montag zusammen brechen? Wenn wieder eins der Elemente aus dem Puzzlespiel meines Lebens entfernt wird, das Nikotin, brüllt dann das Koffein nach seiner ätherischen Schwester, dem Nikotin? – Muss ich das Koffein dann zeitgleich reduzieren?
Warum steht auf keiner Stirn geschrieben: “Leben ist lebensgefährlich”, so wie auf jeder Zigarettenschachten inzwischen draufsteht: “Rauchen ist lebensgefährlich”? Da schließt sich der Kreis, da wird das Kreisrund zur vierten Ecke, und die führt bekanntlich zurück ganz zum Anfang. Ich will nicht mehr rauchen! Ab Montag, die Tage bis dahin quarze ich noch lustig und munter und ohne jedes Schuldgefühl. Allerdings: Würde nächste Woche bei mir Lungenkrebs diagnostiziert, hätte diese eine Restwoche in vollkommener Abstinenz vom Nikotin den Ausbruch dieser Krankheit verhindert?
Mir geht die Frage durch den Kopf: Wie lange lebt der Schlagersänger Roland Kaiser noch? Es ist sehr ernst bei ihm….er hat immer geraucht, heißt es!
Heute ist der 2. Tag meines Selbstversuchs. Am kommenden Montag werde ich aufhören zu rauchen. Seit gestern nehme ich Tabletten der Marke Champix (Pfizer) ein, 0,5 mg. Ob ich am kommenden Montag tatsächlich aufhöre zu rauchen? Na klar.
Indem ich dies Experiment öffentlich mache, lesen es auch Leute. Ich bekomme jetzt die ersten, gutgemeinten Ratschläge. Ich will derzeit aber keine Ratschläge haben, wenn diese darin bestehen, mir den von mir sorgfältig erdachten Weg auszureden. Gleich wieder ausreden, wo ich doch noch nicht einmal damit angefangen habe. Ich stecke in den Startlöchern und schon pfeifen mich welche zurück!
Denn wo kein Wille war, war bislang auch kein Weg. Ich habe mich seit längerem mit dem Thema befasst und im Ergebnis diesen Weg für mich ersonnen. Ob er erfolgreich ist, kann ich noch nicht sagen! Denn die ersten sieben Tage vor meinen Rauchstopp nehme ich zwar schon das Medikament, kann aber über Erfahrungen noch nichts berichten. Höchstens über Nebenwirkungen: was Wunder, ich habe derzeit noch keine! Aber ich bin wachsam, wie ein großer, schwarzer Adler. Aus fünftausend Meter Flughöhe beobachte ich meinen Körper, ich achte auf kleinste Zeichen.
Es gehört zur Qualität eines freundschaftlichen Rats, die Umstände einer Raterteilung sorgfältig zu bedenken. Man muss als Freund den Rat, den man geben möchte, sorgfältig abwägen und in einen denkbaren Kontext mit der Befindlichkeit des Ratempfängers stellen. Nur dann ist ein Rat fruchtbar, wird dankbar angenommen. Kommt der Rat zur falschen Zeit oder passt er gerade nicht zum Vorausgegangenen, ist es kein Wunder, wenn er auf Ablehnung stößt.
Wer sich aber entschließt, seine bevorstehenden Erlebnisse mit der Öffentlichkeit zu teilen, indem er darüber bloggt, hat längst weitgehend und intensiv mit sich selbst darüber verhandelt, wie er seinem Leben eine andere Wendung gibt, geben kann. Der eigentliche Entschluß liegt schon länger zurück, erst gestern wurde die konkrete Inangriffnahme veröffentlicht. Bis dahin bin ich neulich schon gefragt worden, warum ich noch rauche? Ich hatte vorher allerdings nirgends geschrieben oder gesagt, dass ich schon rauchfrei bin. Lediglich nur die Absicht, das Rauchen einzustellen, hatte ich verkündet.
Mit der Ankündigung in der Öffentlichkeit verbindet sich für mich zugleich Verbindlichkeit, Berechenbarkeit und Glaubwürdigkeit meines Selbstversuchs. Ich würde niemals behaupten, dass es lockert und leicht geht, sich das Rauchen abzugewöhnen. Gleichzeitig muss ich stärker als bislang filtern, was ich höre, sei es als Ratschlag oder auch nur als Fremdmeinung eines Dritten. Was können andere mir schon raten, wenn sie nicht tagtäglich intensiv mit mir zu tun haben? Nichts. Vermute ich zumindest…
Zu den Sachen, die ein Raucher abbauen muss, gehört einerseits der Nikotinkonsum. Andererseits aber auch, die vorhandenen Stress- und Lebensbeschleunigungsmechanismen einer voll Ansprüchen steckenden Welt auf dasjenige Maß zurückzudrängen, dass einem selbst eine etwas stressfreiere, gute und friedfertige Lebenszeit sicherstellt. Entspannung, ohne nach Nikotin oder Alkohol oder sonstwas zu greifen. Es sind jetzt nicht Ratschläge vonnöten, wenn überhaupt lediglich nur Erfahrungsberichte von anderen, nach dem Motto: “Also bei mir war das so und so….” Da hört der “Beratene” lieber zu, indem er sich insgeheim vergegenwärtigt, ob das, was andere da berichten, wohl auch auf ihn selbst zutreffen könnte? Falls ja, ist das eine Art Minimalkonsens, dass es ein Stück weit auch bei mir so sein könnte, aber nicht muss….die Kraft, sich zu verändern, liegt ausschließlich nur im eigenen, selbstgewählten Weg.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! (altes Sprichwort)
Montag, 13. September 2010: Schon seit langem habe ich vor, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich habe schon einmal längere Zeit nicht geraucht, allerdings nicht ohne eine Ersatzbefriedigung auszukommen. Zwei Jahre lang habe ich anstatt zu rauchen Nicorette-Kaugummis gekaut. Dann habe ich wieder angefangen. Wie einen Strohhalm habe ich die erste Zigarette danach genossen. Und jetzt bin ich seit geraumer Zeit “wieder drauf”. Ich rauche ca. 20 Zigaretten, derzeit selbstgedreht, aufgerundet, ich zähle nie genau nach. Wozu nachzählen? Erbsen zählen?
Einen weiteren Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, werde ich auf gar keinen Fall mit Nicorette-Kaugummis starten. Ich wüsste nicht, was davon der Vorteil wäre? Richtig: Solche Kaugummis sind nachweislich gesünder, als nicht zu rauchen. Das ist aber auch schon alles. Mit dem Rauchen aufzuhören, ist schwer und die Kraft liegt ausschließlich im eigenen Weg. Andere Hilfsmittel hatte ich auch schon: Vor Jahren benützte ich Zyban, ein amerikanisches Präparat, ein Psychopharmakon. Davon bekam ich bald Herzrasen und ich dachte, ich muss sterben.
Diesmal versuche ich, mit Hilfe von Champix (Pfizer) aufzuhören. Der Beipackzettel liest sich alles andere als lustig. Darauf komme ich später. Erst einmal ist jetzt hier ein Startsignal gesetzt: Ich werde aufhören zu rauchen. Ob es mir gelingt? Keine Ahnung. Ich schreibe es auf, versuche, jeden Tag, auf jeden Fall einen kurzen Beitrag hier zu veröffentlichen. Das macht es mir leichter, aufzuhören.
Warum ist heute Tag 0001, voller Vorfreude mit vier führenden Nullen? Ganz einfach: Ich habe heute die erste Tablette zu mir genommen, morgens um 11 Uhr. Insgesamt drei Tage, sagt die Packungsbeilage, soll ich morgens zur selben Zeit, jeweils eine 0,5 mg-Tablette nehmen. Dann stockt sich das auf morgens und abends und am achten Tag danach soll man die Zigaretten weg lassen. Ich muss also nächsten Montag mit dem Rauchen endgültig aufhören.
Ich werde hier weiter darüber berichten, so oft als möglich, wenn ich es schaffe, täglich und alle Aspekte meiner Entwöhnungskur (nicht Entwurmungs-…., obwohl das auch nicht schlecht ist) aufschreiben, festhalten. Sollte ich mehrere Tage nicht schreiben, besteht Grund zur Beunruhigung: Die Packungsbeilage spricht von Patientenberichten und gelegentlichen Selbstmordabsichten. Bevor ich aus dem Fenster springe, muss ich allerdings umziehen. Ich wohne im Hochparterre.
Spaß beiseite. Es geht los! Ich bin gespannt auf die nächsten Tage und besonders auf Tag 8 von 8.
***
Nachsatz: Ich werde meine hiesigen Berichte so wenig als möglich mit Links zu anderen Websites ausstatten, um mich und den Leser nicht abzulenken. Auf diesem bekenntnisblog.de geht es nur um meine Bekenntnisse, jedenfalls derzeit!
Ich muss mir ein paar Angewohnheiten abgewöhnen, die mir auf Dauer nicht gut tun.
Ein weiteres Mal werde ich aktiv versuchen, mit dem Rauchen aufzuhören. Auch mal den Alkohol einfach weglassen. Ich werde zu einem Stammtisch nicht gehen. Ich gehe eigentlich nie zu Stammtischen. Aber der Stammtisch, zu dem ich gehen wollte, den werde ich vermissen. Tut mir leid, es ist wichtiger, nicht dorthin zu gehen! In meinem Leben muss ich mal ein paar Schalter umlegen, um mich aus eingeschliffenen Routinen auszuklinken. Eine Wende pro gesünderes Leben strebe ich an. Niemand kann siebzig Jahre Raubbau treiben, ich aber bin erst 48 Jahre alt. Höchste Zeit also!
Zeit für viele frische Bekenntnisse. Beim Bekenntniss ablegen war ich in der letzten Zeit etwas faul. Kein Wunder. Aber jetzt geht’s los. Bald. Ich arbeite dran. Versprochen, mir selbst.
Ich habe das Stück “Lass die Finger von Emanuela” von Fettes Brot immer gern gehört und es hilft mir auch heute noch, zwischen Gut und Schlecht zu unterscheiden!
Heute Morgen fand ich in meinem Emaileingang (Spamordner) folgende Email vor:
auf Bild klicken!
Diesen Screenshot habe ich ein bisschen nachbearbeitet, damit bestimmte Daten mir nicht in die Öffentlichkeit geraten. Z.B. und insbesondere auch an “Manuela”. Und spontan wie ich bin, dachte ich auch sofort an Fettes Brot:
Lass die Finger von Vuvuzela, das muss ich mir nicht mal vornehmen, eine “musikalische” No-Go-Area.
Lass die Finger von eManuela, das schon eher. Ich bin ein Mann und habe grundsätzlich nichts gegen Manuela. Allerdings sagt mir eine innere Stimme, dass ich immer dann besonders vorsichtig sein muss, wenn ein “e” dem Namen vorangestellt ist.
Es steht für die “e”lektronische Fassung einer imaginären Manuela, deren Händchen ich niemals halten werde.
Wenn ich mich zwischen “e” und “i” entscheiden müsste, wäre der Vorzug eindeutig beim “i”,
also iPhone, iPad, iMac, das sind Sachen, die man anfassen kann. Was eManuela angeht oder schlicht auch nur Emanuelle, werde ich es bei meinen viele Jahre alten grundsätzlichen Musikkenntnissen belassen und die Finger von denen lassen. Weiteres eMailen (aha! “e”), liebe eManuela, ist zwecklos.
Du hast gelogen. Ich habe mich niemals bei dir angemeldet und du lügst auch, wenn du sagst, ich kann mich durch einen Klick auf deinen Link wieder austragen. Du willst mich auf die Schippe nehmen, eManuela, pass auf, dass wir uns niemals begegnen. Grrrrr…….bin ich böse, eMailuela!
Was weißt denn du von Liebe, von Liebe weißt du nichts….
Manchmal ist es richtig, nicht immer nur an Geld zu denken.
Diese Email hat mich zu der Erkenntnis gebracht. Ich habe tatsächlich nicht lange gebraucht, um das einzusehen. Den Lesern dieser Website wird empfohlen, eher in ähnliche Richtung zu denken wie ich.
Vielleicht mache ich es auch so, wie der ausgeschiedene Bundespräsident. Aus Mangel an Respekt vor meinem hohen Amte als Emailaccount-Inhaber trete ich zurück. das überlege ich noch, …
Das hat gar nichts damit zu tun, dass man sich anbiedert oder sich nicht traut, eine eigene Meinung zu haben. Es hat was damit zu tun, dass einem nichts zum eigenen Nachteil widerfährt. SPAM – Geißel der IT-vernetzten Menschheit.
Wir sind Papst. (Titel-Schlagzeile BILD-Zeitung bei der letzten Papstwahl)
Ich bekenne:
Ich bin ein ausgesprochener Fan von Marcel Reich-Ranicki, will aber kein Kind von ihm und wünsche der Generation 90Plus eine noch recht lange, lebenslange Mitgliedschaft eines so illustren Menschen im “Club of Olds”. MRR “gefällt mir” (facebookianisch ausgedrückt).
Die Begründung muss unvollständig bleiben. Auszugsweise kann folgendes geltend gemacht werden:
An ihm und seiner Person scheiden sich die Geister Deutschlands. Reich-Ranicki ist ein Deutscher mit Migrantenhintergrund und wurde am 02. Juni 1920 vor heute genau 90 Jahren in Wlocawek, Polen, geboren. Es ist nicht die Aufgabe eines bekenntnisblogs, hier jetzt Zeilen lang Leben und Wirken von MRR (offizielles Kürzel) nachzuzeichnen. Das dürfen dazu Berufene machen, ein paar informative Links sind hinten angefügt.
MRR muss ein verträglicher, netter Mensch sein, denn seine Frau Teofilia (Tosia) kennt ihn seit Januar 1940 und ist seit dem mit ihm zusammen und am 22. Juli 1942 heirateten die beiden. Top, die Wette gilt: MRR und Teofilia haben dieses Jubiläum der Welt verschwiegen und das Jubiläum im Stillen gefeiert. Bescheidenheit. Es ist ein Faktum, dass sich in diesem Jahr die Bekanntschaft und jede denkbare Voraussetzung für diese “lebenslange Ehe” ebenfalls rundet. 90 Lebensjahre, davon 70 Jahre mit derselben Frau. Idioten nennen das “einen Mangel an Alternativen” oder “Einfallslosigkeit” oder gar “den Beweis patriarchalischer Strukturen” in “älteren Menschen”, ausgehend von Systemregeln, die früher einmal galten und heute folglich längst entfallen sein müssten. Mag alles sein oder auch nicht: was kümmert’s MRR? Und: Mussten sie tatsächlich entfallen, waren sie entbehrlich, überflüssig und freiheitsberaubende Paradigmen einer altmodischen, gesellschaftlichen Verkrustung? Quark. MRR plus Teofilia: das muss man schlicht “Liebe” nennen. Wenig bis gar kein Zweifel.
Niemand kann sich MRR so richtig als “netten Menschen” vorstellen: zu deutlich ist er Zeit seines langen Lebens immer wieder hervorgetreten, hat deutlicher als andere den Mund aufgemacht und schon kurz nach seinen ersten Auftritten in Nachkriegsdeutschland haben alle ihn wahrgenommen. Bis er zu dem wurde, was er jetzt ist, wenn auch inzwischen ein wenig zurückgezogener: er ist “das Papst” vom Literaturbetrieb. Diesen Ruf hat er sich erarbeitet, und den hat er sich verdient. Redlich. MRR ist ein redlicher Mensch, der sagt, was er denkt. Er schleimt nicht oder ist geschickt oder er profiliert sich auf anderer Leute Kosten. Es geht ihm um die Sache und darum, zu einer von zwei denkbaren Seiten ein Bekenntnis abzulegen: ein Buch ist gut, hervorragend oder aber schlecht oder schlichtweg “keine Literatur”.
MRR hat nie behauptet, sich niemals geirrt zu haben und mancher Disput um eine seiner früher vertretenen Meinungen, wie beispielsweise der Streit mit dem etwas eitler erscheinenden, inzwischen milderen Martin Walser haben tiefe Spuren hinterlassen. Auch Verletzungen. Der Roman “Tod eines Kritikers”, erschienen 2002 im Suhrkamp-Verlag, gehört zu den entstandenen, den Rest des Lebens währenden Verletzungen, die MRR davongetragen hat.
Ich habe mich vor einiger Zeit dagegen entschieden, auf meinem Auto ein Bekenntnis aufzudrucken. Aber manchmal ist’s schon praktisch, eins vor den Augen zu haben.
***
Man trägt sein Bekenntnis zu sehr auf der Brust oder fährt davor weg in Richtung Ewigkeit. In diesem Fall hat uns die moderne Technik dazu verholfen, einen Gedanken an ein nettes Gespräch festzuhalten. Okay. Inhaltlich steht diese Internetadresse für etwas, für das der digitale Reporter sich zu sehr in die Jahre gekommen fühlt. Es geht um den brasilianischen Kampfsport Capoeira. Das darf man nicht verwechseln mit Caipirinha.
Der Unterschied? Capoeira geht auf den ganzen Körper und wirkt positiv auf diesen ein. Caipirinha geht zuerst vor allem in den Kopf und bei regelmäßigem Genuss auf die Leber, wobei Fachleute von unvorteilhaften Langzeitfolgen wie Zirrhose, Schrumpf-, Stopf- oder Fettleber sprechen, ganz nach persönlicher Ausdrucksweise. Letztere (nicht: Leber, Caipirinah!) ist unvergleichlich leckerer, als sich unter safttreibenden Bewegungsritualen über Gebühr anzustrengen. Und doch kommt auch ersteres derzeit irgendwie ein bisschen mehr in Mode.
Danach habe ich allerdings Juliane Kubicki nicht gefragt. Diese Frage brannte mir nicht auf den Nägeln. Wer sich für Capodingsbums interessiert, sollte wissen: Das ist eine nette Frau. Von der könnte man sich bei Interesse bedenkenlos unterrichten lassen, einweisen in “the brasilian way of living”. Wenn sich Frau Kubicki mit ihren Schülern und Schülerinnen trifft, geht es hart, aber herzlich zur Sache, und was daran besonders sympathisch erscheint, zu brasilianischer Musik. Es ist keine Lambada, kein Bossa Nova, und erst recht keine Tacatuca (die gibt’s nämlich nicht), sondern es sind urbrasilianische Kampfrhythmen, die dies Übungsszenario beherrschen. Und um das noch einmal klarzustellen: Auf dem Auto steht wirklich nicht lambada-berlin.de, sondern abada-berlin.de, ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Ein alter Freund macht Wing Tsun, ich eher Tschingderassabum. David Carradine ist tot, wurde in einem Hotelschrank gefunden. Früher hat David Carradine tolle Kung-Fu-Filme gemacht. Und Bruce Lee? Tot. Ich halte es mit dem chinesischen Verkehrsminister. Trägt mir jemand Kampfsport an, mache ich darum eine Um Lei Tung. Kampfsport ist nicht ungefährlich, nichts für mich.
Sollte ich Julia Kubicki noch jemals wiedersehen, werde ich es ihr sagen. Oder sie kann es hier lesen. Da gilt für diesen Fall dann das alte Lied: “Liebchen, mein Herz lässt dich grüßen!” Man muss derartiges ja nicht zwangsläufig gleich mit Sport verbinden.
Der Mythos vom fleißigen Handwerker hat spürbar bei mir gelitten.
***
Und das liegt folgendermaßen: Beispielsweise war ich kürzlich im Land der lächelnden Quasten- und Borstenschwinger, der Pigmentverteiler, Maler und Lackierer unterwegs. Es erschien mir als Glück, einen Mann getroffen zu haben, der mir Erlösung versprach von dem Übel sich ablösender Fensteraußenanstriche. Es waren mehrere an einem Mehrfamilienhaus in Berlin-Wilmersdorf. Ich wollte beständig sein, beharrlich und stetig unterwegs in Sachen vernünftiger Instandhaltung. Alles war gut eingefädelt.
Ich wollte fremder Leute Geld ausgeben, um das Bruttoinlandssozialprodukt, oder wie das heißt, mächtig anzukurbeln. Es sollte Geld den Besitzer wechseln gegen ehrliche Leistung. Leistung sollte sich wieder lohnen.
Er war mir empfohlen worden von einem Hausbesitzer, der mehrere Häuser in Berlin besitzt. Er war mit seiner Arbeit sehr zufrieden, sagte er. Sagte er. Ich wusste, was er -der Maler- letzten Sommer getan hatte. Es gab einen Probeparcours. In einem Neubau gleich neben dem obigen Altbau, ebenfalls ein Mehrfamilienhaus, wurden die Außenfenster gestrichen. Die Arbeit war gut, wir schätzten uns glücklich. Auch der Preis stimmte. Okay, die Sache zog sich hin. Eile mit Weile.
Das ist das Gute an einem solchen Auftragsverhältnis. Wer bereit ist, den Dingen ihren zeitlichen Rahmen zu geben, der nun einmal benötigt wird, kann sich kaum beschweren. Es kommt nicht immer nur darauf an, alles in einer sehr kurzen Zeit abzuwickeln. Manch zartem Pflänzlein muss man Zeit geben, sich zur vollen Blütenpracht zu entfalten. Und dann gibt es einen Donnerschock und am Ende ist etwas ganz Atemberaubendes entstanden. Das war hier, im Probeanstrich des Neubaus, der Fall. Auf diese Weise waren es Vorschusslorbeeren und es ist kein Geheimnis, dass eine gute, effiziente und messbare Arbeitsleistung zu Zufriedenheit führt, und am Ende zu Wiederholungen. Man beauftragt gern denjenigen, der sich eines Auftrags als würdig erweist.
Der Herbst zog heran, unverkennbar. Da der Neubau nun fertig war, standen da noch diese zwei Altbauten an derselben Adresse herum und langweilten sich gelangweilt an ihren bröselnden Fensteraußenanstrichen. Der Lack schien ab. Wegen der guten Erfahrung, die nicht in forschen Zeit- und Arbeitsfortschritten bewertet gewesen war, fragte ich an, ob der Altbau nicht auch eine vergleichsweise gute Instandhaltungskur erfahren dürfe? Prinzipiell ginge das schon, sagte mein Quastenschwinger und machte sich an die Arbeit, leeres Papier mit langen Zahlenkolonnen zu füllen. Länge mal Breite, Höhe mal Tiefe, ein Aufmaß aller Fensterflächen entstand. Dies wurde ins Verhältnis gesetzt zu m²-Preisen, Stundeschätzungen und nennen wir es nun einen Kostenvoranschlag. Die Absegnung dessen ließ nicht lange auf sich warten. Fein, ganz fein, befanden die glücklichen Kunden und stimmten der Schätzung zu. Sowas nennen wir Fachleute einen Auftrag. Doch dann geschah nichts mehr.
Weil die Gesetzgeber pfuschten, müssen die Verkehrsschilder auf deutschen Straßen und Plätzen nicht erneuert werden. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) kommt so in den Genuss, die Fehler von zwei sozialdemokratischen Ex-Kabinettsmitgliedern zu korrigieren. (Thüringer Allgemeine, hier)
Ich bekenne:
Es war mir klar, dass mir die Bayern suspekt sind, aber was Peter Ramsauer (CSU, Bundesverkehrsminister) gemacht hat, das ist ein Beweis dafür, dass die Bayern das Herz auf dem rechten Fleck haben.
Ich komme aus Preußen, das liegt etwas nördlich von Bayern. Ich lebe an der Spree, und das hat nichts mit Spee, dem einzig korrekten DDR-Waschmittel zu tun, das inzwischen unter westdeutscher Ägide produziert wird. Die Bayern haben’s mit der Weißwurst (im Darm), die Berliner essen Currywurst (wahlweise mit oder ohne Darm), aber ist allein dadurch das Leben der Berlinr reicher, sinnvoller, angefüllter mit Essenziellem? Es kommt oft gar nicht auf die Pelle an, auf die Verpackung, die Hülle, den Darm. Es kommt oft auf die “inneren Werte” einer Sache an. Die eingangs zitierte Thüringer Allgemeine hat allerdings nur zum Teil recht: In Wirklichkeit sind zwei Behördenpfuschs der Grund, warum die Verordnung fehlerhaft ist. Es gibt eine Formale, daran scheiterte die Verordnung jetzt (weiter unten), aber es gibt auch eine inhaltliche: es fehlt beispielsweise ein Gleitgummi (siehe ebenfalls unten), weshalb die Verordnung umzusetzen schlicht Unsinn ist.
Wie z.B. das Innere des Bundesverkehrsministers Peter Ramsauer, der aus Bayern stammt und zwar außen etwas ganz normales Bayerisches hat, aber innerlich ein Herz, wie viele andere Menschen und die eingangs aufgestellte Behauptung lautete ja, er trage es auf dem rechten Fleck. Womit er es nicht auf linken Fleck trägt. Eine “rechte Gesinnung” kann übrigens auch eine linke Gesinnung sein, das muss im Einzelfall entschieden und beurteilt werden. Womit allerdings Peter Ramsauer nun wenig Gefahr läuft, für eine linke Gesinnung verantwortlich gemacht zu werden, nur weil irgend so ein dämlicher Bekenntnisblogger aus Berlin derartiges ungeprüft in die Öffentlichkeit herausschickt.
Nein, was Peter Ramsauer so sympathisch macht, das ist die gestern veröffentlichte Meldung, wonach Ramsauer sich persönlich dafür eingesetzt hat, dass ein bereits beschlossenes Gesetz bloß nicht in die Tat umgesetzt werde. Dadurch können Städte und Gemeinden nun bundesweit zwischen 200 und 400 Millionen EURO einsparen. Die Verordnung war 2009 in Kraft getreten und ist inhaltlich noch vom Vorgänger Bundesminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zu vertreten. Im Volksmund soll die Verordnung bereits “Schilderwaldnovelle” genannt worden sein.